Da schreiben 3 Jungs ein Buch.

von st. am 28 September 2008 — Kategorie: alles andere

[Also hier: 1, 2 und 3] und nennen es gulli warsâ„¢.


gulli wars - Das Buch

Für richtige Ansicht einfach den Monitor um 90° gegen den Uhrzeigersinn drehen und nicht immer so viel Rumjammern, Danke schön :)

Dazu muss man gratulieren. Zu dem Titel, meine ich. Der ist natürlich in seiner Vieldeutigkeit ganz grosse Klasse. Und zeigt damit auch gleichzeitig das größte Defizit auf, dass man gulli warsâ„¢ einfach vorwerfen muss: Der spontane Schmunzler beim Lesen des Buchtitels erschliesst sich nur, wenn man mindestens halbwegs regelmässig Besucher/ Mitleser/ Wasauchimmer von gulli.com und dem angeschlossenem Board war. Es wäre auch arschlos, nun hier an dieser Stelle genau diese Vieldeutigkeitserklärungen abzugeben, denn schliesslich sollte man nicht jeden Frosch töten, der einem über den Weg rennt.

Also bleibt’s dabei: Wer’s versteht, hat Glück – wer nicht, der hat eben Pech. Was sich durch das gesamte Buch kränkelt: Komplette gulli-Unkenner werden nicht die Nerven haben, dieses Buch weiter als bis Seite 21 zu lesen, dann werden sie es entnervt zuklappen und zur Seite legen. An dieser Seite wird es liegen und einstauben, bis es irgendwann sein Gnadenbrot als Verlegenheitsgeschenk für den angeheirateten Neffen, der eh nur den ganzen Tag am Computer hockt, findet. Vielleicht kriegt man den Jungen ja so mal dazu ein Buch in die Hand zu nehmen. Kriegt man nicht, denn entweder kennt der Junge das Buch natürlich eh schon. Weil er die gulli:Welt bereits kannte. Oder er kannte die gulli:Welt nicht und dann verstaubt gulli warsâ„¢ eben einfach dort weiter. (Zwischen leeren CD-Hüllen von World of Warcraft und Unreal Dingsda wahrscheinlich. Ohgott was ein grausames Schicksal.)

Und das ist schade. Sehr schade sogar. Denn in der Tat finden sich in gulli warsâ„¢ viele spannende als auch wissenswerte Hintergrundinformationen wieder, die man durchaus gerne lesen will. Die einen auch dann interessieren können, wenn einem diese gesamte gulli:Welt schlicht gar nix sagt. Sie verstecken sich nur so schrecklich gut. Hinter Nicknamen und Chatlogs und Insiderwitzen und – begrifflichkeiten. Ich seh’ die Schwierigkeit durchaus: Schreib mal ein Buch, in dem sich einfach der komplette Inhalt immer wieder um komische Phantasienamen rankt, hinter denen Menschen stehen, die ein rein virtuelles Gesicht haben und sich deswegen teilweise als 11-beinige Borkenkäfer präsentieren, die an akuter Gicht leiden. Ich wünsch’ viel Spaß – ich könnt’s nämlich nicht. Wenn man nicht mal mehr das Wörtchen “bald” verwenden kann, ohne kurz innezuhalten, wird’s nämlich tatsächlich irgendwie kompliziert mit der Aufbereitung von sachlicher Information und launiger Lesbarkeit.

Man kann nun mir vorwerfen, dass ich an meiner eigenen Erwartungshaltung gegenüber gulli warsâ„¢ scheitere. Und das stimmt ja auch. Keine Ahnung, wie ich zu der Annahme kam, aber tatsächlich bin ich von der felsenfesten Überzeugung ausgegangen, dass ich gulli warsâ„¢ ohne Bedenken meinem Vater – der ja nun mal mit der gesamten gulli:Welt nichts, und zwar g_a_r nichts zu tun hatte bisher – in die Hand drücken und sagen kann: “Lies mal, dann weisst du, was mein Freund Richie unter Anderem so macht(e) in seinem Arbeitsalltag.” Was ihn ja durchaus interessieren würde. Und was gar nicht so leicht ist, einem Aussenstehenden zu vermitteln. Das kann ich mir sparen. Meinem Vater dieses Buch zu geben. Ich kenne überhaupt niemandem aus meinem privaten (nicht-internet-)Umfeld, dem ich dieses Buch geben könnte. Sie könnte eh allesamt nix damit anfangen.

Was die Autoren auch wissen, zumindestens ahnen. Denn angelehnt an die ewigen Board-Regeln, gibt es gleich zur Einführung von gulli warsâ„¢ die sogenannten Buch-Regeln mit auf den Weg, die den Leser zum Mut zur Lücke auffordern.

Und noch mal: Wie schade! Da sind so viele spannende Themen verarbeitet. Themen, die auch den Nicht-Insider interessieren, er sie wohl aber leider nie erfahren wird. Zumindestens nicht in dieser Form der Aufbereitung, wie es bei gulli warsâ„¢ geschehen ist.

Aber nicht nur die inhaltliche Aufbereitung ist es ja, die mich stört. Sagt mal, Jungs – ist bei Euch die Fußnotenverteil-Krankheit ausgebrochen in Bochum? Geht damit zum Arzt! Das muss dringend behandelt werden. Ich sehe ja ein, gerade wegen meiner vorher angebrachten Insider-Kritik, dass bestimmte Themen einer bestimmten Erklärung bedürfen. Eine Fußnote ist da durchaus ein gutes Mittel. Aber doch nicht gefühlte 5.578 Fußnoten, die teilweise 1/2 Seite lang sind. Und sich mitunter fast fliessend an den Haupttext drankleben. Himmelherrje. Waren mehr Seiten im Budget nicht drin? Auch schade. Die Lesbarkeit quält sich durch diese Fußnotenkrankheit und kommt zwischenzeitlich immer wieder erschöpft zum Erliegen.

Ich ahne, dass ich durchaus missverstanden werden kann mit all diesen bösen Worten. Das tut mir auch leid. Denn ich hab gulli warsâ„¢ eigentlich ganz gerne gelesen. Als Abgesang 3er Jungs, die in die Jahre gekommen sind und nun ein bisschen wehmütig, ein bisschen grinsend und ein bisschen erleichtert mit etwas abschliessen, was wirklich Gross und auf seine Art Einzigartig war. [Moral-Diskussionen über die gulli:Welt bitte 14 Blogs weiter führen. Danke schön.]

Ihr hättet mehr verdient für diesen Abgesang als dieses Kinderbilderbuch, dass eh keinen interessiert, außer denen, die eh in irgendeiner Form dran beteiligt waren.

Schade. Aber das sagte ich ja bereits.

Faktisch falsch, mit Gruss vom TrAAummann: Seite 171, Fußnote 46, (Zeile 2 von 15, sic!): "Das german elite board finanziert sich beispielsweise seit Jahren auf diese [Anmerkung von mir: Spendensammlung] Weise." Faktisch richtig: Das gEb hat sich seit seinem Bestehen 1999 genau 1 Mal (Ein Mal!) an seine User bzgl. einer Spendensammlung zum Weiterbestehen des Boardes gewandt. Wen Ihr meint, ist dieses gräßlich blaue CSB, da mit diesem DocViper und Dings. Der TrAAummann zeigt sich auf seine gewohnt gewandte Art zutiefst empört über diese eklatante Fehlberichterstattung. Er ist aber leider auch in die Jahre gekommen und wird deswegen jetzt nicht OskarMaria versuchen aufzuwecken. Versprochen! ;)

“Für Feedback, Bericht, Lob und Kritiken jedenfalls: Danke!”

Bitte. Und irgendwie: Sorry.

gulli warsâ„¢
Von Richard Joos, Randolf Jorberg & Axel Gönnemann
isbn-13: 9783837042948
Erhältlich im gängigen Buchhandel für 20 Euro.
Oder als .pdf zum kostenfreien Download bei gulliwars.com (aber .pdf ist blöd, da kann man keine Eselohren reinmachen.)

Anmerkung: gulli warsâ„¢ steht unter CC-BY-NC 3.0-Lizenz. Die in diesem Blogeintrag verwendete Grafik des Covers somit ebenso.

13 Kommentare »

  1. Kommentar von Korrupt — 28. September 2008 @ 15:33

    Hmmm… ich sag mal so. Wir habens versucht, und schon Yoda sagte “Tun, tun oder nicht tun. Es gibt kein Versuchen!” Was für Insider *und* Aussenstehende zu schreiben ist Quadratur des Kreises, und dass letztere gelegentlich was zu kauen haben, ließ sich unmoeglich vermeiden, weil man sonst derb viel schöne Sachen haette weglassen müssen oder aber die Fußnoten nochmal hochschrauben oder wirklich jeden Witz hätte erklaeren muessen.

    Was ich mir in meinem grenzenlosen Optimismus eben mal einreden will: eine Sache hat wohl ein Stueck weit geklappt – dass man manche Sachen auf zweierlei Weise lesen kann und es funktioniert. Dein “bald” machte mich grinsen, es war tatsaechlich so, dass ich den Begriff im Buch nicht verwenden konnte, ohne dabei zu ueberlegen, wie das wer wohl verstehen koennte. Und wenn ein “Insider” ueber ein “bald” stolpert und dabei schon kichern muss, waehrend andere da eben lesen, dass bald halt irgendwas sein sollte und das “irgendwas” eben das war, um was es geht und nun eben gespannt ist, was draus wird uns was fuer widrige Umstaende vielleicht noch passieren, dann ist ja alles gut. Klar ist vieles ne Anspielung, vieles *koennte* eine sein, muss aber nicht und funktioniert so oder so, und manchmal ist ein Schwanz halt einfach ein Schwanz.

    Ich hab jetzt natuerlich eher was von Leuten an Feedback bekommen, die gulli ein wenig kennen, aber auch einiges in Richtung “Ich kenn gulli jetzt nicht/kaum, aber aus anderen Communitykontexten ist da schon einiges mit Aha- oder deja-vu-Effekt”, und ich denk, mehr ist nicht drin. Auf der anderen Seite hoerte ich in einigen der von dir angesprochenen Punkte auch schon recht gegenteiliges – seit Pratchett sind Fussnoten auch ausserhalb der akademischen Welt durchaus anerkanntes Mittel, grade zu wenig insider- und communitybezogene Sachen wurden vermisst, mehr Quotes gewuenscht usw., da wird man immer zwischen den Stuehlen sitzen. Mit deiner Kritik am Layout bist du btw. naeher an der Wirklichkeit, als du denkst, es war in der Tat ne Platz- und Seitenfrage, erst wars ja gar noch enger auf 200 Seiten gesetzt und dann gingen wir eben hoch, als klar war, dass wir mehr nehmen konnten, aber auch nicht zu hoch, weil dann eben der Print bei BoD noch teurer wird. So kommt btw. auch das Format zustande, das ist schlicht viel Platz fuers Geld gewesen und daher eben rein inne Breite.

    Was der TrAAummann sagt: (15:03:40) Richie: Das mit dem geb und der Spenden schmerzt mich grade, ich meinte mich an genau diese geschichte von einem Kaffeegespraech zu erinnern

    …wird korrigiert.

  2. Kommentar von Rene — 28. September 2008 @ 16:18

    hehe, das kaffeegespräch über die spenden war bei dir zu hause, die frau war ne blonde und der traummann sah viel besser als der tAaummann aus, besser gekleidet war er zudem.

  3. Kommentar von st. — 28. September 2008 @ 18:08

    richie: ja, ich sage ja bewusst auch nicht, dass ich es besser könnte. könnte ich nämlich nicht. trotzdem bleibt’s dabei: das buch steht euch nicht gut zu gesicht.

    rené: du willst sagen, dass richie deinen und meinen kaffeetisch verwechselt hat? DAS allerdings ist nun ein wirklicher skandal.

  4. Kommentar von AnonymOUs — 28. September 2008 @ 19:05

    Es hat dich keiner gezwungen das Buch zu lesen. Also halts Maul und geh sterben! :-)

  5. Kommentar von st. — 28. September 2008 @ 19:52

    doch wohl. ich wurde gezwungen! neugierde kann schlimme zwangsauswirkungsfolgen haben, ich sag es euch.

  6. Kommentar von Rene — 28. September 2008 @ 20:07

    rené: du willst sagen, dass richie deinen und meinen kaffeetisch verwechselt hat? DAS allerdings ist nun ein wirklicher skandal.

    Nein, er hat seinen eigen Kaffeetisch mit deinem verwechselt. Ob dir das nun besser zu Gesicht steht, darfst du selbst beurteilen.

    Ach ausserdem, was gibts an meinem Tisch auszusetzten. Hä? HÄ?*toternstundgrimmigguggt*

  7. Kommentar von Helge — 28. September 2008 @ 21:26

    (o: ¡uɹÇ?ıssÉ?d É?ɯ uoɥɔs uuÉ?Êž ulÇ?sɥɔÇ?Ê?ɹÇ?ÊŒ nz Ç?ɥɔsıʇÇ?Ç?ÉŸÉŸÉ?Êž

    Ich hab Euer Buch auch gelesen. Eigentlich isses OK, aber meiner Mutter würde ich es auch nich geben. Aber für meine Mutter ist es sicher auch gar nich geschrieben worden. :o)

  8. Kommentar von Helge — 28. September 2008 @ 21:27

    Sry für vermurksten Zeichensatz :o(

  9. Kommentar von st. — 29. September 2008 @ 09:35

    was sollt’n das heissen?

  10. Kommentar von Helge — 29. September 2008 @ 15:23

    Weiß ich nich mehr. :o)

  11. Kommentar von Rene — 1. Oktober 2008 @ 10:20

    wo sind denn meine kommentare?

  12. Kommentar von Rene — 1. Oktober 2008 @ 10:22

    lösch mal bitte, grad hat es nur die kommentare bis zum ersten von korrupt angezeigt und dann kam das antworten gedöhns. nach dem schreiben war wieder alles da. *schulterzuzcks*

  13. Kommentar von st. — 1. Oktober 2008 @ 17:56

    och nö, ich lass das mal stehen. vielleicht kann man das ja irgendwann mal gebrauchen, um dich ein bisschen zu necken. :)

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI

Einen Kommentar hinterlassen