Die Sache mit der Fischgräte.

von st. am 30 Juni 2008 — Kategorie: angebär.in,der sohn

Mensch, Mist. Hier sollte theoretisch eine fantastische Geschichte stehen, die erzählt, wie der Traummann neulich fast an einer Riesenmonsterfischgräte mit einem Körperumfang von 0,01mm und einer Guinness-World-Record-2008-verdächtigen Länge von 0,000000003mm brutalst erstickt wäre. Ich wollte den 6,5 h-dauernden Todeskampf, den der Traummann führte und gewann (!) auch eigentlich direkt daniederschreiben (oder darniederschreiben?), dann kam allerdings aus dem Hinterhalt unvermutet diese Kalk-Sache in mein Leben gestolpert und erforderte meine ganze Konzentration. Und darüber habe ich irgendwie all die fiesen, kleinen, gehässigen Details vergessen, die dieser Beinahe-Gräten-Traummann-Erstickungstod mit sich brachte. Sehr bedauerlich, wirklich!

Dafür aber habe ich was anderes, was noch so frisch ist, dass es noch nicht aus dem Loch in meinem Kopf in die ewige Freiheit des Vergessens flüchten konnte. Hier, also – der Sohn:

Der Sohn hatte Liebeskummer. Kürzlich. So unbarmherzig das jetzt klingen mag, aber es hat ja auch niemand behauptet, dass die Wahrheit immer schön ist: Das ist erstmal nix Besorgniserregendes. Das mit dem Sohn und dem Liebeskummer, meine ich. Der Sohn und Frau Kullerauge führen seit nun schon verdächtig langer Zeit eine Beziehung, die von dauer-temporärem Liebeskummer geprägt ist. Das geht, jetzt mal ganz exemplarisch-realistisch, so:

Frau Kullerauge schreibt dem Sohn eine SMS. Bestehend aus, sagen wir mal 345 Zeichen. Der Sohn antwortet Frau Kullerauge mit einer ebensolchen SMS. Bestehend aus, sagen wir mal NUR 344 Zeichen. Daraufhin bricht der 3. Weltkrieg aus. In diesen Weltkrieg werden alle eingebunden, die grade verfügbar sind: Frau Kullerauge ruft mich an und erklärt mir, dass der Sohn sie wie den letzten Dreck behandelt. Ich sage zum Traummann: “Der Sohn behandelt Frau Kullerauge wie den letzten Dreck.”, der Traummann geht zum Sohn und fragt, was los ist. Der Sohn sagt: “Nix.” Woraufhin Frau Kullerauge den Sohn und mich irgendwie gleichzeitig anruft und nichts sagt, sondern nur 1 h am Stück in den Hörer schluchzt. Sobald ich auflege, erhalte ich dann eine SMS von der Mutter von Frau Kullerauge, die mir erklärt, dass Frau Kullerauge den Sohn jetzt 2 Wochen nicht mehr sehen darf. Was mich veranlasst meinen Vater anzurufen und zu sagen: “Öchz.” Und während mein Vater mir erklärt, dass Kinder ein Segen sind, steht der Sohn vor mir und hält mir den Telefonhörer hin, damit ich bitte Frau Kullerauge erkläre, dass sie jetzt nicht alle 2,5 Sekunden anrufen soll, weil er hat grade Schluß gemacht und sie soll das gefälligst akzeptieren. Dann schreie ich in der Regel rum und der Sohn erklärt, tödlichst beleidigt, dass er nicht versteht, warum ER immer angemeckert wird. Woraufhin ich an die frische Luft gehe, in der Hoffnung es gibt grade welche in Berlin. Man muss sein Kind schützen, manchmal vor sich selbst. Das sind so Momente! Bis ich zurückkomme, habe ich 5mal den lieben Gott angefleht, dass er mir meine innere Ruhe zurückgibt und noch während ich flehe, kommen der Sohn und Frau Kullerauge händchenhaltend und knutschend um die Ecke, bleiben vor mir stehen und fragen vollkommen erstaunt, was denn mit mir los sei, ich sähe ja total schlecht aus. Und überhaupt, sie wollen sich verloben, ob ich was dagegen habe. Ja, habe ich! Was zur Folge hat, dass der Sohn und Frau Kullerauge mich total ätzend finden.

Und diese vermeintlich übertrieben dargestellte Schilderung ist viel näher an der Wahrheit, als mir lieb ist.

Kurzum: Dieser Tage hatte der Sohn mal wieder einen dieser Liebeskummer der oben beschrieben Art. Und saß mit verweinten Augen in seinem Zimmer.

Frag ich: “Oh, was ist denn los?”
Sagt er: “Nix.”
Frag ich: “Ah, und weil nix los ist, hast du also total verheulte Augen?”
Sagt er: “Ich hab’ keine verheulten Augen.”
Ich halte ihm einen Spiegel vor die Augen: “Und was ist das?”
Sagt er: “Ich schwitze!”
Frag ich: “IN den Augen???”
Sagt er: “Ja.”

Wenige Stunden später war die Sohn/Frau Kulleraugen-Welt wieder in bester Ordnung und alles Augenschwitzen gehörte der Vergangenheit an.

Allerdings konnte ich mir bei der nächsten Gelegenheit, als ich mal wieder irgendwas total Wichtiges verboten habe, was ALLE anderen dürfen, nur der arme Sohn darf ja NIE irgendwas, nicht verkneifen, meinem “Nein” ein “Aber jetzt fang nicht gleich an in den Augen zu schwitzen.” hinterherzuschieben.

Worüber der Sohn dann doch breit grinsen musste. Er hat nämlich Größe, der Kleine. :)

19 Kommentare »

  1. Kommentar by daniel — 30. Juni 2008 @ 21:14

    Ich glaube, jetzt weiss ich was meine Ma so alles denkt (gut das die kein Blog hat)

  2. Kommentar by daniel — 30. Juni 2008 @ 21:15

    Nachtrag: Gewöhn dich mal dran, Jungs sind so ;)

  3. Kommentar by Frau Ährenwort — 30. Juni 2008 @ 22:44

    Irgendwie süß :-)

  4. Kommentar by marcO — 30. Juni 2008 @ 23:22

    AUGENSCHWITZEN!!!! Ich kann nicht mehr vor lachen – Nur gut das ich bis dahin noch ein paar Jahre Zeit habe. Aber ich hoffe ich darf das Augenschwitzen dann verwenden , ja ? JA? JAAA? :-D

  5. Kommentar by noch ein Markus — 1. Juli 2008 @ 07:24

    das schöne ist ja dass sich diesbezüglich in den letzten 20-25 Jahren (und wahrscheinlich viel länger) nicht allzuviel geändert hat :)

  6. Kommentar by zoee — 1. Juli 2008 @ 09:36

    verloben? mit kullerauge? ich nehme an, da schwitzt mehr bei dir, als nur die augen.

  7. Kommentar by mira.sch — 1. Juli 2008 @ 09:58

    Mal ehrlich: ist das nicht wieder mal typisch Frau? Ich meine, da kämpft der Mann einen Heldenkampf, einen, über den sich Bücher vom Schlage «Krieg und Frieden» oder «Man wird nicht als Soldat geboren» schreiben ließen und dann ist die Erinnerung plötzlich und ganz einfach futsch. Seifenblasengeplatzt, sozusagen. Und warum? Wegen Kalk und ‘nem bissel Augenpipi, zwei Belanglosigkeiten, die allerhöchsten beim Zusammentreffen erwähnenswerte Bedeutung erlangten – in einem Nebensatz.
    Wie muß dieser arme, unbeachtete Mann bloß leiden?

  8. Kommentar by daRONN — 1. Juli 2008 @ 12:22

    Ich möchte auch nochmal jung sein und meine Eltern zur Weißglut treiben… hach, wäre das schön…

  9. Kommentar by st. — 1. Juli 2008 @ 12:49

    daniel: selbstverständlich gewöhne ich mich nicht daran. gewöhnung ist doch öde!

    Frau Ährenwort: und irgendwie anstrengend. so manchmal. ;))

    marcO: nee. aber dein sohn kriegt hiermit die verwertungsrechte :)

    noch ein markus: ergänzend: .. und sich auch in den nächsten 759000 jahren wohl nicht ändern wird.

    zoee: nein, ich bin eher so der hyperventile typ. aber ich schwitze nicht!

    mira.sch: nicht, dass ich dir das heldenepos vorenthalten möchte, aber der traummann selbst schien gestern nicht unerfreut darüber zu sein, dass ich das fischgräten-drama nicht wirklich näher ausgeführt habe. warum fällst du ihm denn hier in den rücken? ich dachte, ihr haltet immer zusammen. so unter männern. am lagerfeuer. und so. :)

    daRONN: man kann aber später auch andere menschen noch ganz gut zur weissglut treiben. also, nicht dass ich alt wäre jetzt. ich mein nur so.

  10. Kommentar by Lobo — 1. Juli 2008 @ 14:20

    Also ehrlich, da denkt mann Frauen wären sensibel und dann sowas …

    Aber für den eigenen Sohn ist natürlich keine Frau gut genug!

    Pass mal auf das du nicht zur bösen Schwiegermutter mutierst. :-D

  11. Kommentar by Helge — 1. Juli 2008 @ 14:51

    aber ich schwitze nicht!

    Mach mal, Vielleicht schwitzt Du Deine Bosartigkeit aus.. :oP

  12. Kommentar by rellek — 1. Juli 2008 @ 17:17

    Helge… Man schwitzt doch sein Lampenfieber aus, nicht seine Bösartigkeit.

    Vgl. Rockos modernes Leben, Folge 16 “Filburt im Showgeschäft”

    Ihr kennt wieder mal nichts :P

  13. Kommentar by st. — 1. Juli 2008 @ 19:04

    ich fühle mich sehr missverstanden von den letzten 3 kommentatoren, deren namen ich nicht einzeln aufführen werde, weil ich jetzt erst mal beleidigt bin. so für ca. 1 h etwa :)

  14. Kommentar by rellek — 1. Juli 2008 @ 20:30

    Stunde ist rum :D

  15. Kommentar by Helge — 1. Juli 2008 @ 21:24

    Bei Frauen ist eine Stunde ein deeeeeehnbarer Begriff, aber Schminken, Anziehen, Umziehen und nochma Umziehen dauert ja auch seine Zeit. ^^

  16. Kommentar by st. — 2. Juli 2008 @ 07:12

    moment, ich muss eben noch meine handtasche packen…

  17. Kommentar by Louffi — 4. Juli 2008 @ 09:18

    Bei meinem Neffen war das mal so, dass sich ein Mädchen seinetwegen das Leben nehmen wollte und ein großartiges Drama mit einem Küchenmesser abgezogen hat. Der arme Junge war eine ganze Weile traumatisiert, die jeweiligen Eltern auch :)))

  18. Kommentar by st. — 4. Juli 2008 @ 20:38

    ich ahne die art des traumas. quatsch, ich lebe darin :))

  19. Pingback by angeber.in » Mama, das ist doch REINFEIERN! — 30. November 2008 @ 12:08

    [...] er entdeckt, dass man seine Wochenenden ja durchaus auch anders rumbringen kann, als die Zeit mit Streitereien und Versöhnungen totzuschlagen. Mit Party beispielsweise. Und Disco. Oder mit Disco. Und auch mit Party. Und mit [...]

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