Der Sohn braucht ein Girokonto, er hat ja nur dieses kindische Sparkonto und das geht ja nun nicht mehr, weil er will ja gar nicht sparen, klar. In ungewöhnlich weiser Vorahnung, dass man sicherlich etwa 17 verschiedene Dokumente und Unterschriften benötigt, um einem minderjährigen Scheidungssohn, mit dessen Vater einen selbst zwar das gemeinsame Sorgerecht eint, aber dafür ca. 600 km Wohnortdistanz trennt, ein Bankkonto zu eröffnen, gehe ich vorab zur Sparkasse meines Vertrauens. Um mich zu erkundigen. Ich bin doch so total praktisch denkend, wisst Ihr ja!
Oh, das ist alles ganz easy, erklärt mit der angehende Börsenverspekulatius hinter seinem Tresen: Mein Personalausweis, den vom Sohn und den Sohn selbst natürlich, “Hahaha, kleiner Scherz!”, mehr brauchen wir nicht – dann eröffnen wir das Konto, sperren es, schicken dem Kindsvater den Kontoeröffnungsantrag, er unterschreibt den, schickt den mit Kopie seines Personalausweises zurück, dann wird das Konto entsperrt – et voilá: Der Sohn hat sein privates Wirtschaftswunder und ist in der Welt der Finanzen angekommen.
Geburtsurkunde? Neiheein, Frau angeber.in, keine Geburtsurkunde, der Personalausweis beweist ja, dass er geboren ist, haha, kleiner Scherz! Ich hab noch mehr Beweise, dass er geboren ist, ein total unaufgeräumtes Kinderzimmer zum Beispiel, ob ich ein Photo mitbringen soll? Wie ich das jetzt meinen würde? Nichts, kleiner Scherz, vielen Dank, bis dann!
Heute also zur Sparkasse. Mit Personalausweis. Mit Sohn. Mit Personalausweis vom Sohn. Ohne Termin. Ohne Geburtsurkunde. Wir treten an diesen Tresen da, werden freudig begrüsst, was man für uns tun könne, bitte? Schweigen. Der Bankmann guckt erwartungsvoll. Ich schubse den Sohn an. Der Sohn schubst zurück und starrt auf den Fussboden. Toller Teppich! Der Bankmann räuspert sich. Ich seufze.
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