
Plötzlich steht der Sohn im Zimmer. Einfach so. So von sich aus. Ungerufen quasi. F_R_E_I_W_I_L_L_I_G! Er guckt sehr bedeutungsschwanger, räuspert sich:
“Ich mache jetzt das Referat über den von-Neumann-Rechner!” und seine Stimme signalisiert eine extrem wichtige Mission. Also, mindestens so wichtig, dass jetzt bitte keine Mutter dieser Welt auf die Idee kommen möge, den Sohn mit den Alltäglichkeiten des Lebens drangsalieren zu wollen. Von wegen fragen, ob er zuerst den Müll rausbringen kann oder sowas. Geht jetzt gar nicht. Und zwar ganz und gar nicht! Ich verstehe, nicke verständnisvoll und nehme mir vor diesmal nichts zu sagen. GAR NICHTS! Es einfach hinzunehmen, dass der Sohn jetzt einer höheren Gesellschaftsschicht angehört als meiner. Nämlich der, die sich um die Bedeutung des von-Neumann-Rechners völlig selbstverständlich im Klaren ist. Und noch während ich am krampfhaft Nichts-Sagen-Vornehmen bin, passiert das, was immer passiert, wenn ich mir vornehme diesmal WIRKLICH nichts zu sagen. Ich öffne den Mund und heraus purzelt:
“Der von-WAS-Rechner?”
Ohmeingott. Das war natürlich falsch. Also. So richtig voll total falsch. Ich habe schon viele falsche Fragen in meinem Leben gestellt. Aber das war definitiv die Falscheste von Allen.
Die linke Augenbraue des Sohnes schnellt ca. 5 cm nach oben, das Wunderkind guckt mich völlig fassungslos an und stellt mit dieser unangenehmen Härte, die diese Jugend von Heute so inne hat, fest, dass seine Mutter ja nun mal keine Ahnung hat, wie peinlich echt! “Das ist die Grundlage jeden Computers, Mama! Eingabe, Ausgabe!”, sprach’s und entschwand in sein intellektuelles Kinderzimmer. Natürlich renne ich umgehend hinterher und halte einen hochinteressanten Vortrag über Wissen und Weisheit und all diese Sachen, die kein Mensch interessiert.
Später, beim Abendessen, stichel ich streitlustig rum: “Der Sohn schreibt grade ein Referat über den von-Neumann-Rechner.” und gucke erwartungsvoll in die Runde. Der Traummann, ich seh’s genau, hat keinen Plan wovon ich rede – aber irgendwie macht er es mal wieder viel klüger als ich vorher:
“Hmhm, und wann wurde der erfunden?”
“‘1945.”
“Ach, da gab’s schon Computer, ja?”
Schlau! Echt wahr jetzt! Einfach Gegenfragen bis zum Umfallen stellen und schon ist man der Champ, obwohl man keine Ahnung hat, wer oder was der von-Neumann-Rechner bitte ist. Ich gucke bewundernd den Traummann an. Er guckt nicht zurück. Klar. Er grinst in’s Essen und muss Fragen stellen dabei. Da kann er nicht zurückgucken. Das verstehe ich! Man verlangt ja eh viel zu viel von den Männern dieser Welt. Sei es wie’s ist: Der Sohn hat das Referat über den von-Neumann-Rechner geschrieben.
2 Tage später. Ob wir das Referat eigentlich mal sehen können?
“Joar.”, kommt es zurück und in Millisekunden-Schnelle rauschen 6 Power-Point-Folien über das Display des Rechners. Und wir bekommen erklärt, dass es bei dem von-Neumann-Rechner-Referat ja überhaupt gar nicht um Inhalte ging, sondern der Informatik-Lehrer wollte nur sehen, ob der Sohn mit Power Point umgehen kann, aber in der Schule gibt’s kein Office 2007 sondern ein Älteres und deswegen konnte der Informatik-Lehrer das Referat gar nicht öffnen und so.
Ich hab gelacht, OH DOCH! Voll unpädagogisch wertvoll und total laut. Keine Inhalte! Grundlage eines jeden Computers! Ahnung von Power Point. Haha!
(weiterlesen…)